Ergebnisse und Schnittmengen: “Fläming Futures”
Mit über 100 Anmeldungen und rund 80 Teilnehmenden aus Politik, Verwaltung, Unternehmen und Zivilgesellschaft war der Visionstag ein voller Erfolg – auch wenn das Format für die meisten ungewohnt war. Das Info-Forum mit Ständen von Social Impact und dem Kompetenzzentrum Soziales Unternehmertum Brandenburg, vom Tourismusverband Fläming und dem Technologie- und Gründerzentrum, von SAM – Soziale Arbeit Mittelmark und der Lokalen Aktionsgruppe, von Smart Village und dem neuen Start-up-Hub “Flämingo” sowie der Zukunftsschusterei mit der interaktiven Wasserkarte boten vielfältige Informationen, Austauschgelegenheiten und Inspirationen für die Arbeitsgruppen.
Theoretischer Hintergrund
Warum überhaupt ein “Visionstag”? Die Idee ist lange gereift und basiert auf der Erfahrung, dass übliche Planungsprozesse meist vom hier und heute ausgehen – inklusive all der Hindernisse und Hürden, die sofort in den Köpfen präsent sind. Ganz bewusst aus einer positiven Zukunft auf mögliche Entwicklungsstränge zurück zu blicken ermöglicht es, diese “Schere im Kopf” zu umgehen und so auf neue Lösungsansätze zu kommen.
Wie der deutsche Ökonom und Aktionsforscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) Otto Scharmer reflektiert: „Die Zukunft von Global ist Lokal. Während viele Probleme global sind, sind die meisten Lösungen hyperlokal, ortsbezogen und regional reproduzierbar.“
Otto Scharmer geht dabei davon aus, dass die Wirksamkeit des Handelns am stärksten durch die Orientierung auf die Zukunft beeinflusst wird. Es ist also der absolut richtige Weg, gemeinsam mit möglichst vielen möglichst unterschiedlichen Menschen aus der Region Lösungen zu suchen. Das Format eines „Visionstages“ ist dafür ein vielversprechender Ansatz, um die „im Entstehen begriffenen Zukünfte“ abzuleiten.
Konkrete Ergebnisse
Nach der Einführung “Verorten” gingen aus der ersten Arbeitsphase “Imaginieren” Sieben Themenfelder hervor, die anschließend nach der Pause unter dem Motto “Visionieren: Wie wollen wir in 2050 leben und arbeiten?” ausgearbeitet und im abschließenden Teil “Fläming Futures” präsentiert und zusammengeführt wurden. Die Ergebnisse zeigen, wie eng ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte miteinander verwoben sind. Nach der kurzen Zusammenfassung der 7 Arbeitsgruppen folgt eine Darstellung dieser Schnittmengen.

1. Regional Wirtschaften und Versorgen
Die Region setzt auf eine autarke Nahversorgung durch die Wiederbelebung von Handwerk, regionalen Lebensmitteln und kurzen Transportwegen. Dorfläden und Gemeinschaftsküchen fungieren dabei als soziale Knotenpunkte, während moderne Technologien wie 3-D-Druck dezentrale Produktion ermöglichen.
2. Energieversorgung in Gemeinschaft
Energie wird als Grundrecht begriffen, direkt vor Ort regenerativ erzeugt und die Gewinne werden konsequent vergesellschaftet. Diese kommunale Autarkie stärkt die regionale Wertschöpfung und sorgt dafür, dass alle Bewohner direkt von der Energiewende profitieren.
3. Regenerative Landschaften und Natur
Eine klimaresiliente Agrarlandschaft mit hohem Wasserhaltevermögen schützt die biologische Vielfalt und dient gleichzeitig als Ort der Erholung und Bildung. Der Mensch tritt in eine bewusste Beziehung zur Natur – sei es durch essbare Landschaften, sanften Tourismus oder gemeinsame Pflanzaktionen.
4. Vielfalt im Zusammenleben und Wohnen
Neue Wohnkonzepte wie Mehrgenerationenhäuser und Solidargemeinschaften ermöglichen ein aktives Miteinander von Jung und Alt sowie Neuzugezogenen. Das Teilen von Wohnraum und Ressourcen spart nicht nur Kosten, sondern fördert den gegenseitigen Wissensaustausch und die soziale Sicherheit.
5. Solidarische Gesundheit und Altern
Der Hohe Fläming entwickelt sich zur Modellregion für Prävention, in der Pflege durch Zeitkonten und dezentrale Selbstorganisation (z. B. Pflege-WGs) abgesichert ist. Die heilende Wirkung der Natur und nachbarschaftliche Unterstützung erhalten die Selbstständigkeit bis ins hohe Alter.
6. Lebendige und gerechte Demokratie
Die politische Teilhabe ist durch direkte Demokratie, Bürgerentscheide und Gremien wie Jugend- oder Altenparlamente tief verwurzelt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen und die Umverteilung von Zeit schaffen den nötigen Freiraum für gesellschaftliches Engagement und Selbstwirksamkeit.
7. Gemeinwohlorientierte Arbeitswelt
Arbeit wird primär als „Berufung“ und weniger als reine Erwerbstätigkeit verstanden, unterstützt durch Mitarbeiterbeteiligungen und das 80/20-Modell (20 % Gemeinwohl-Arbeit). Die gewonnene Zeit durch KI und effiziente regionale Strukturen fließt in Care-Arbeit, Kultur und persönliche Entfaltung.
Überraschende Schnittmengen
Solidarität und Selbstermächtigung der Bürger ziehen sich als roter Faden durch alle Bereiche, wobei das Ziel stets eine autarke, krisenfeste und lebenswerte Region ist. Interessanterweise haben sich in den sieben Arbeitsgruppen selbstverstärkende Schnittstellen in drei Dimensionen gezeigt:
- Ökologie & Natur – Die regenerative Grundlage: Eine klimaresiliente Landschaft mit intakter Wasserwirtschaft ist nicht nur ökologische Notwendigkeit, sondern die Basis für landwirtschaftliche Nahversorgung, Gesundheit und einen sanften Tourismus. Dieser „Gesundheitsraum Natur“ zieht immer mehr Menschen an, die hier in innovativen Mehrgenerationen-Projekten wohnen und Wirtschaftskraft mitbringen.
- Wirtschaft & Arbeit – Der Motor der Transformation: Durch Modelle wie das 80/20-Arbeitsprinzip und ein Grundeinkommen gewinnen wir die wertvollste Ressource zurück: Zeit. Zeit, die direkt in die Pflege unserer Familien und Nachbarn, in kulturelle Vielfalt, ehrenamtliche Zusammenarbeit und in eine starke, lokale Demokratie fließt. Menschen bringen ihre Talente in nachhaltige Gewerke ein, was die regionale Wirtschaft innovativ und krisenfest macht.
- Soziales & Leben – Das Netz der Resilienz: Mehrgenerationenhäuser und Patenschaften zwischen Jung und Alt führen zu einer enormen Ressourcenschonung (Teilen von Raum, Werkzeugen, Wissen). Dieses attraktive, soziale Umfeld zusammen mit günstigen Mieten und Kultur zieht neue Menschen an (Zuzug), die wiederum als Fachkräfte das Handwerk stärken. In solidarischen Gesundheitsmodellen wird Pflege nicht „eingekauft“, sondern gemeinschaftlich organisiert, was die Kosten senkt und die Würde erhöht. Das wiederum entlastet die gemeinwohlorientierte Wirtschaft, da weniger profitorientierter Druck auf dem Pflegesektor lastet.
Diese Dimensionen sind wie verschiedene Blickwinkel: Wenn wir über „Wohnen“ sprechen, reden wir gleichzeitig über „Ressourcenschonung“ (Ökologie), „Pflege“ (Gesundheit) und „Attraktivität für Fachkräfte“ (Wirtschaft). Alles hängt mit allem zusammen.
So entsteht ein Kreislauf, in dem regionale Wirtschaft & Handwerk die Autarkie sichert, während soziale Sicherheit die Freiheit für kreative Entfaltung schafft. Die Natur liefert die Ressourcen (Wasser, Nahrung, Erholungsraum).
Im Jahr 2050 ist der Hohe Fläming demnach kein bloßer Wohnort mehr – er ist ein resilientes System, in dem Lebensqualität und Gemeinwohl untrennbar miteinander verwoben sind.
Bestehende Basis
Einige der Ideen brauchen Veränderungen auf übergeordneter Ebene – Beispiel Grundeinkommen. Vieles ist jedoch auf regionaler Ebene machbar. Es gibt bereits vielfältige Keimzellen, die Ausgangspunkte für die skizzierten “Fläming Futures” sein können – Agroforst-Projekte & Baumschulen, Solar-Selbstbau & regionale Energiegenossenschaft, Hofläden & solidarische Landwirtschaft, Wohnprojekte & Alten-WGs.
Diese Ansatzpunkte sind allerdings keine Selbstläufer. Sie brauchen Unterstützung aus Politik, Verwaltung, Unternehmen und Zivilgesellschaft. Und sie brauchen innovative Konzepte, um attraktiv zu sein. Es wird darauf ankommen, welche Weichen wir heute stellen.
Ein nächster Schritt zur Weiterentwicklung der Ideen und Visionen ist die gemeinsame Veranstaltung von Ankerpunkt und Fläming-Stammtisch am 25. Februar um 18:30 in Mal’s Scheune in Wiesenburg.
Die KI hat dazu folgende Wirkungsmatrix erstellt:
| Maßnahme / Hebel | Effekt auf Ökologie & Natur | Effekt auf Soziales & Leben | Effekt auf Wirtschaft & Arbeit |
| 80/20-Modell & Zeitwohlstand | Mehr Zeit für Landschaftspflege & Waldumbau durch Bürger. | Care-Arbeit und Pflege werden durch Zeitkonten abgesichert; Raum für Demokratie. | Höhere Kreativität; Arbeit wird zur sinnstiftenden „Berufung“ statt Belastung. |
| Mehrgenerationen-Wohnen & Patenschaften | Geringerer Flächenverbrauch und Ressourcenschonung durch Sharing. | Einsamkeit sinkt; solidarische Gesundheit durch gegenseitige Hilfe im Alltag. | Günstiger Wohnraum macht die Region attraktiv für Fachkräfte & Handwerk. |
| Resiliente Wasser- & Landwirtschaft | Klimafester Lebensraum; Erhalt der Artenvielfalt. | Natur dient als Präventionsraum für Gesundheit; hohe Lebensqualität für Einheimische. | Basis für Regionalversorgung und Gesundheitstourismus (Kur-Effekt). |
| Kultur, Bildung & Grundeinkommen | Bewusstere Beziehung zur Mitwelt. | Hohe Selbstwirksamkeit; lebendige Demokratie durch angstfreie Teilhabe. | Innovation durch Experimentierfreude; Kultur als weicher Standortfaktor für Zuzug. |
| Solidarische Gesundheit & Pflege | Weniger Medikamenten-Eintrag durch Fokus auf Naturheilung. | Altern in Würde durch altersgerechte Wohnformen und Gemeinschaft. | Gemeinwohlorientierung: Gewinne fließen zurück in die Versorgung statt in Konzerne. |
















Weitere Bilder und Videos sind in diesem ALBUM gesammelt.
Die detaillierte Transkription der Stellwände ist HIER verfügbar. Darin finden sich neben den Visionen für das Jahr 2050 auch konkrete Zwischenschritte aus dem Jahr 2035…
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